Die Winter-Olympiade und ihre Tücken
Nachdem sie noch nicht richtig begonnen hatte, fuhr sich der georgischen Rodler Nodar Kumaritaschwili bereits im schnellen Eiskanal zu Tode. Kein Grund zur Panik, die paar hundert Stundenkilometer lassen sich ausbremsen, indem man die Männer einfach auf den Frauenstart setzt, der liegt tiefer und verringert damit die Geschwindigkeit.
Dies und viele andere Neuigkeiten können wir ab Heute täglich in dern Lifetickern nachlesen: Schweizer holen erstes Gold, Neuner mit Silber und der Niederländer Kramer mit Bahnrekord im Eisschnellauf auf Goldkurs!
Die Dopingvorwürfe der vergangenen Wochen prägen allerdings das Bild einer Olympiade, die in den kommenden Jahren - ob Sommer oder Winter - immer skrupelloser mit ihrem Menschenmaterial umgehen wird.
Die Skispringer wandeln von einem Burnoutfall zum nächsten, weil die jungen Männer, statt vernünftig zu essen, am laufenden Bande abnehmen müssen, um am Ende wie Vögel fliegen zu können. Welch perverser Sport, der die Anorexie einplant, gar benötigt, um Siege präsentieren zu können.
Die Schnellsten benötigen High-Tech-Drogen, um zu den Schnellsten gehören zu können. Sie lassen uns glauben, die Spiele seien nur ausnahmsweise verunreinigt und flüchten sich in die schützenden Nebel der Verdrängung.
Die Rennfahrer jagen mit abartigen Geschwindigkeiten die Hänge hinab, so dass man sich fragen könnte, ob sie dies wirklich ohne jede suizidale Absicht täten. Die erreichten Tempi liegen außerhalb jeder normalen Vernunft - aber das kennen wir ja schon seit Jahren aus den motorisierten Rennställen.
Allein im Cockpit sitzen Menschen, die Gesundheit und Leben riskieren für den Podestplatz.
Prinzipiell sollte jeder selbst entscheiden können, wie und wo er sich Gefahren für Leib und Leben aussetzt. Er sollte extrem schwierige Klettersteige begehen dürfen und mit einem Affenzahn den Hang hinunter schießen dürfen. Er sollte sich mit Hormonen und synthetischen Stoffwechselbeschleunigern vollstopfen können, solange es seine inneren Organe ertragen, und er sollte glückseelig auf dem Podest stehen dürfen, wenn er diese Prozeduren zufällig siegreich übersteht...
Aber: Darf ich diesen Typus Mensch an meine Kinder als Vorbild für ihr späteres Leben verkaufen, oder bin ich nicht vielmehr gezwungen auf mich selbst zurückzugreifen, der neben dem Fahrradfahren nur das Schlittenfahren und das Schreibtischstuhlfahren kennt, dabei aber ohne spektakuläre Finessen und feige Hintertüren auskommt?


