Abzocken und Absahnen!
Der Staat in der Krise. Die Währung in Not. Nur die Reichen lachen. Der kleine Mann verliert seine Weltmeisterschaft an die ehemaligen Gastarbeiter und hat langsam ausgeträumt - könnte man meinen. Aber weit gefehlt: Wir setzten jetzt an zum finalen Aussaugen und sozialen Dumping, wie es noch nie jemand gesehen hat in dieser Republik. Bevor der "Eurodollar" seinen Geist aufgibt, werden wir ihn plattsitzen, dass die Buchfinken zu Schuhmachern umsatteln.
Da kommt der Müller nach 50 Jahren harter Arbeit und möchte seinen Anspruch auf Frühberentung prüfen lassen. Da erscheint der Meier und möchte seine Schwerbeschädigung über das freie Parkrecht auf die bezuschusste Kur im Ausland ausdehnen lassen, und da tritt Frau Moser mit dem Anliegen auf, endlich die ihr zustehende Wohnung mit dem notwendigen Elektro-Equipement versehen zu lassen.
Das wären dann die kleinen Geister, die da saugen und dort absahnen, und da wären da noch die mittleren Geister, die sich ihre Prämien für den weiten Weg in die Arbeit zahlen lassen und diejenigen, die Geld für die von ihnen erzeugte Milch verlangen, die keiner um den realen Preis kaufen würde (oder doch?).
But last not least kommen am Ende die Großkopferten, die Pharmaunternehmen und Agarriesen, und natürlich unsere Freunde die Banker. Sie alle wollen sich vom öffentlichen Kuchen bedienen.
Wir sind ein Volk von Absahnern und Abzockern geworden. Geiz wurde geil und beim Besuch eines Elektrogeschäftes werden wir ganz blöd...oder noch blöder. Günstig ist nicht genug. Es muss billig sein und herabgesetzt gilt nicht, es muss richtig basarmäßig herunter gehandelt werden dürfen. Es werden Steuern hinterzogen per Nachbarschaftshilfe und es werden keine Rechnungen geschrieben oder umdeklariert per kleiner Judikative. Wir sind längst Kleinkolumbien und wir bauen Häuser mit Beziehung. Wir schaffen Werte über Spekulation und wir setzen unsere Einkünfte auf Lotterien und Schnellzuwächse, die weit weg von realem Vermögenszuwachs zuhause sind.
Am Ende sind wir moralisch korrumpiert - mehr oder minder - und schleimen von einer Wirklichkeit in Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Wir machen unseren Kindern etwas vor und zeigen bei der nächsten Gelegenheit, wie wir sparsam und sozial kompetent das Geld aus dem Staatssäckel mobilisieren können, über ein Schnäppchen erfreut die ganze Familie in den verdienten Urlaub versenden und uns mit Unterstützung der Krankenkasse den Ranzen beim Bauchtanz vollschlagen.
Ich plädiere hier nicht für eine neue Moral. Sondern einfach für mehr Selbstgerechtigkeit. Wenn wir schon absahnen und abzocken, dann sollten wir es auch offen als das deklarieren, was es ist und nicht von "steht mir zu", "mein Geburtsrecht" und "Soziales Mindestmaß" schwätzen. Wir sollten vielmehr den Mut besitzen, den Oberzockern den Mittelfinger zu zeigen und ihnen deutlich machen, dass sie nicht nur Arbeitsplätze schaffen, weil sie so tolle Ideen haben, sondern weil sie den Staatssäckel mit den richtigen Argumenten zu schöpfen wissen. Der Staatssäckel ist eigentlich leer. Schulden belasten die kommenden Generationen. Wenn es zu keiner Geldentwertung kommt, dann wird die nächste Generation schwer zu tragen haben. Jetzt ist keine Zeit mehr zu verlieren, denn es ist bereits zu spät. 1000 Milliaren Euro Schulden lassen sich nicht mehr auf Null zurück führen, auch nicht über Jahre.
Deshalb bleibt nur noch eine Devise: Maul auf und hinausschreien, dass die Bonzen kein Geld mehr aus dem leeren Säckel bekommen dürfen. Maul auf und zugeben, dass wir moralisch korrumpiert sind. Maul auf und neue Wege suchen, damit die nächsten Generationen noch eine kleine Chance haben werden, das Drama in eine neue Dimension zu leiten.
Wenn es wirklich zu spät sein sollte dann: Kommt die Inflation bis zur totalen Geldentwertung. Dann werden die Kleinen wieder die Doofen sein und die Reichen profitieren. Dann spare ich mir die weiteren Buchstaben und erinnere an MAX 300 - 300 Euro in der Stunde sind genug!


