Der Kleine und das Große!
Der Kleine bist du. Man nennt dich nicht "Arschloch, Idiot oder Blödmann", nein man bezeichnet dich als "einfachen Bürger", als "citoyen" (nicht als Citroen!). Aber du bist ja nicht blöd. Schließlich kaufst du da nur ein. Und geizig und geil sind nur die anderen. Dein Ansinnen ist das eines Ehrenmannes. Sorry - damit wir uns nicht falsch verstehen - Ehrenfrauen gibt es hier nicht, bestenfalls Ehefrauen. Und die haben zu spuren...
Nein, ich möchte keine alten Ressentiments schüren, ich werde jetzt nicht von Schwulen und Lesben schreiben, die sich etabliert haben, und ich werde nicht über die Pädophilen herfallen, die neben Sportvereinen auch Schulen bevölkern ohne es jemals gewollt zu haben. Nein oder besser ja, ich werde mich jetzt um dich kümmern, um dich kleines, armes Würmchen, das weder einen Nobelpreis, noch einen Literaturpreis errungen hat und das keinen Namen hat in diesem Repräsentationsstaat, außer: "Wählerpotenzial".
Du bist zwar nur ein popeliger Noname, aber dein Potezial ist gefürchtet, vor allem dann, wenn du dich mit ähnlich denkenden Würmchen zusammenrottest und diejenigen bestrafst, die du noch vor kurzem an die Schalthebel der Macht befördert hast. Darin bist du wichtig und darin wirst du respektiert und manipuliert. Sie modulieren deinen Alltag, indem sie dich durchleuchten und indem sie dich ausgrenzen können, wenn du zufälligerweise zu weit von der Herde abkommst. Sie machen dich zu ihrem Werkzeug und degradieren deine Rechte zu Nichtigkeiten, wenn sie es brauchen und sie vernichten alles an dir, wenn du wirklich zu denken beginnst. Solange du relativierst und abwiegelst, solange du mäßigend und besonnen auf deine Mitmenschen einwirkst, solange wirst du als durchschnittliches Schaf unter vielen hofiert und betuttelt, wirst genährt und gefüttert bis zur quarternarischen Schlachtbankreife.
Du mußt nicht verstehen, was ich hier schreibe, du mußt nicht einstimmen in dieses Lied, das nach radikaler Erneuerung schreit. Es reicht aus, wenn du ins Grübeln kommst und deinen Kindern (falls der Mut und der Samen dazu gereicht haben) die Option zum Andersein einräumst. Ich gebe zu, es selbst nicht vermocht zu haben. Die meinigen sind bestenfalls Rebellen im Geiste, die sich dem schnöden Mammon beugen müssen und dem Alltag frönen wie du und ich.
Jedoch der Tag der inneren Verdichtung, die Stunde des exzessiven Übrdrucks und die Übermacht der Wahrheit veranlassen mich nun die Stimme zu erheben gegen die Fortsetzung des alltäglichen Wahnsinns:
- Zertifikate, die (nach wie vor) gehandelt werden als wären sie von irgendeinem Wert
- Wahre Werte, die behandelt werden wir der letzte Dreck
- Menschen, die ersetzt werden wie Maschinen
- Ziele, die verbogen werden wie Blätter im Wind
- Visionen, die sich nur um Gewinnmaximierung und Einflußspären drehen und
- eine Welt, die dem Untergang geweiht ist, während die regierenden Betonköpfe in Lethargie befangen bleiben.
Was jetzt gefordert ist, das kann nur eine radikale Erneuerung politischen Handelns sein. Reformen, die sich in ein Großes, Ganzes einfügen, die dem Erhalt des Planeten dienen und nicht dem Verdienst einer skrupellosen Oligarchie. Reformen, die mit Mut und Umsicht autonome Strukturen fördern - sei es im Bildungs- oder im Gesundheitswesen - und akzeptieren, dass Veränderung von unten nachhaltiger und bürgernäher vonstatten gehen kann als von oben.
Aber: Bei den Finanzen braucht es eine Bremse von oben. Hier ist die Kraft des Staates gefordert Grenze zu setzten und einzufordern. Maximalgehälter, Spekulationsgewinne und Wetten auf Rohstoffe dürfen unser kleines popeliges Würmchendasein nicht mehr in Bedrängnis bringen (können). Solange einzelne "Schwerverbrecher" die Mehrheit mit egomanen und skrupellosen Pokerspielereien schädigen können und dann nur als auf Bewährung vorbestraft gelten (welcher Millionär hat davor schon Respekt?), solange hat der kleine Popel die Pflicht und das Recht sich zur Wehr zu setzen, denn schließlich soll er am Ende für die Zokkereien aufkommen.
Ein letztes "Aber": Das Tolle an der ganzen Geschichte ist, das der kleine Doofmann tatsächlich so doof gehalten wird, dass er mich jetzt angreifen wird und seine vorhanden Pfründe verteidigen wird. Schließlich möchte er nach dem Arbeitsplatz nicht auch noch das geliebte Auto verlieren oder gar das Häuslein oder den PC. Ihm wurde eingebläut, dass "Haben gleich Sein" ist und dass er nur aus seinem Besitz heraus zu Geltung kommen kann. Als echtes Demokratiemilchvieh läßt er sich melken und anbinden und verteidigt seinen Bauern mit den Hinterhufen.
Zu blöd dass die Zahl der Milchallergiker zunimmt und dass es Menschen gibt, die noch nie Milch vertragen haben!


