Wenn die Schule die Seelen streift
Nach der Euphorie der Kindergartenzeit folgt die Große Ernüchterung. Jetzt soll geleistet werden. Jetzt beginnt der Ernst des Lebens. Unser überkommenes Schulsystem (und dabei meine ich primär die Lehrerausbildung) sorgt für rechtzeitigen Frust und für ausgeprägte Demotivation.
Nur wenige Pädagogen bewahren sich die ursprüngliche Frische und den notwendigen Elan, um einenoffenen Unterricht mit eigenen Ideen und unkonventionellen Methoden anbieten zu können. Zu stark ist der Einfluss der Ministerialien, die qualitätsorientiert, ausgelutschte Bahnen anbietet. Hier wird jede Initiative, die nach alternaitv riecht erstickt oder erdrosselt. Haupttenor der Systemhüter: "Bewahre und halte dich am Ruder bis zur Erreichung des vorzeitigen Rentenalters. Bis dahin sorge für möglichst wenig Unruhe und erhalte das Überkommene!"
In den Klauen der Ministerialbürokratie ersaufen somit nicht nur die vielen hochmotivierten jungen Pädagogen, sondern auch unsere Kleinen. Sie lernen, dass Lernen keinen Spass machen soll und dass Schule stundenlanges Sitzen bedeutet. Hauptaufgabe: Anhören von Lernstoff, der kaum jemanden interessiert, den kaum jemand jemals im Alltag verwenden kann.
Sie werden unkonzentriert und verhaltensauffällig. Sie verlieren ihre Unschuld und werden kontraaktiv. Nicht, dass sie sich wirklich wehren wollten, dafür durchschauen sie das System zu wenig, aber auf Konfrontation zu schalten, das scheint ihnen nahe zu liegen, denn offensichtlich gibt es Fronten. Fronten, die das System schon seit vielen Jahren aufrecht erhält und in deren Geiste die Pädagogik unserer Zeit verhungert.
Mit ihr leiden Eltern und Kinder. Sie sind Opfer eines selbst gewählten Zustandes, den es in den nächsten Jahren zu verändern gilt.
Die dazugehörigen Forderungen lauten:
- Lebenslanges Lernen ist zu lehren.
- Freizügigkeit für neue Schulversuche und experimentelle Pädagogik
- Öffnung des Systems für neue Lern- und Wahrnehmungseinrichtungen
- Förderung von erfolgreichen Entwicklungen (dabei können gerne gängige Evaluationsmethoden zur Anwendung gelangen)
- Maximierung der Finanzierung, z.B. durch eine Börsenspekulationssteuer
Kinder brauchen zwischen 6 und 12 Jahren Experimentierfelder. Sie benötigen gleichwohl einen Rahmen und ein Netz, die sie in ihren Ausschweifungen auffangen. Hier sind die Eltern und die Erzieher gefragt. Sie benötigen keine demoralisierenden Lehrpläne, die von offenbar kinderlosen oder seelenkranken Ministerialien produziert wurden, um ihnen die letzte Motivation zu stehlen.
Vor der Pubertät kann die Welt so breit und weit sein, wie sie es noch nach dem Kindergarten schien. Lasst uns Wege finden, damit sie es wirklich wird.


